Bei mir in der Firma ist das Seilbahnunglück heute großes Thema, was nicht unüblich ist, wenn ein solcher Unfall die eigene Branche betrifft.
Mal zum technischen Hintergrund: Die Gondel als solche rollt auf dem Tragseil und ist auf diesem Seil in beide Richtungen nach oben und nach unten verfahrbar. Nach oben und nach unten gezogen wird die Gondel mit dem Zugseil, das in der Talstation und in der Bergstation über große Räder verläuft, die die Bremseigenschaften ausüben. Für den Fall, dass das Zugseil reißen sollte, verfügt die Gondel über eine Notbremseinrichtung, die sich auf dem Tragseil festkrallt und somit die Gondel starr an ihrer Position auf dem Tragseil hält. In der Gondel befindliche Personen können nun von der Bergrettung evakuiert werden. Ohne Notbremse würde die Gondel ungehindert auf dem Tragseil talabwärts beschleunigen und sich nach kurzer Zeit nicht mehr auf dem Tragseil halten können und abstürzen.
Was nun vermutet wird:
Bei Wartungsarbeiten wird die Notbremse der Gondel oft mit Klammern absichtlich außer Kraft gesetzt, damit die Gondel während der Wartung frei auf dem Tragseil verfahren werden kann. Sollte nach den Wartungsarbeiten versäumt worden sein, diese Klammern wieder zu lösen bzw. zu entfernen, dann wäre das ein Grund, warum die Notbremse der Gondel nicht auslösen konnte und die Gondel talabwärts gerast ist bis sie dann vom Tragseil gesprungen ist. Warum und vor allen Dingen an welcher Stelle im Vorfeld das Zugseil gerissen ist muss entsprechend untersucht werden. Ich bin gespannt, was die staatsanwaltschaftlichen Recherchen als Unfallursache zu Tage fördern werden.
Bei meinem Kunden, der Bayerischen Zugspitzbahn, ist 2018 auch eine Gondel verunglückt und gegen eine zweite Gondel geprallt, damals jedoch zum Glück bei Testfahrten ohne Passagiere. Der Schaden bewegte sich im 6-stelligen Eurobereich, und es ist dazu auch einiges im Netz zu finden.